Ich muss das mal loswerden: Die aktuelle Marktlage macht mir ehrlich gesagt ein bisschen Angst, und ich finde sie übertrieben. Die Preise, die gerade aufgerufen werden, gehen in absurde Richtungen. Wer nicht sehr gut verdient, kann die Karten, über die wir hier reden, kaum noch wirklich sammeln.
Vor ein paar Monaten hatte ich überlegt, meine Shining-Sammlung zu verkaufen, und in den letzten Tagen dann vermehrt Gespräche dazu geführt. Nachdem die Anfragen aber fast nur zu Garados und Karpador kamen, habe ich es mir wieder anders überlegt. Fast zwei Jahre habe ich an den Neo-Sets gesammelt. Allein für die Shinings habe ich damals knapp 3.000 € bezahlt, wobei sie selbst schon zu dem Zeitpunkt etwas mehr wert waren. Dazu hatte ich bei den Grades auch noch Glück, zum Beispiel beim Garados mit einem 8er Grade. Für den Rest der Karten kamen noch mal mehrere hundert Euro dazu, insgesamt also wohl um die 4.500 €. Nur weil allein der Wert der Shinings inzwischen auf 14.000 € gestiegen ist, ist es mir trotzdem nicht wert zu verkaufen – am Ende hätte ich einfach ein unvollständiges Set, und das will ich nicht.
Anders sieht es bei den Sets aus, die ich eh noch nicht vervollständigt habe, Rocket Gang Strikes Back und Holon Research Tower. Da war ich schon gut dabei, aber die fehlenden Goldstars waren schon damals kaum bezahlbar. Inzwischen zahlt man je nach Zustand gut und gerne 8.000 bis 10.000 € pro Karte.
Die EX-Karten aus dem Set, die ich als PSA-Slabs hatte, habe ich inzwischen fast alle verkauft – zu meinem Vorteil, muss ich sagen: Vor zwei Jahren habe ich für alle zusammen knapp 650 € bezahlt, inzwischen aber schon 1.700 € dafür bekommen, eine weitere ist noch nicht verkauft. Praktisch verdreifacht, ich sollte mich also eigentlich nicht beschweren. Trotzdem tut es irgendwie weh, sich von Teilen der eigenen Sammlung zu trennen, besonders wenn man vorher schon eine schlechte Erfahrung mit einem anderen Verkauf gemacht hat: Meine Imakuni-Sammlung hatte ich für 600 bis 700 € gekauft und Anfang des Jahres für unter 600 € wieder abgegeben – nur damit eine der Karten inzwischen so viel wert ist.
Um trotzdem wieder etwas Spaß am Sammeln zu haben, habe ich mir neben den Projekten aus einem der letzten Beiträge noch eins dazugesetzt: einen Pokédex-Binder mit Platz für 1.025 Karten. Da finden jetzt die Karten Platz, die ich eigentlich für die unvollständigen Mastersets gekauft hatte, wie das Delta Species Mewtwo aus Holon Research Tower. Ich kann mich darin endlich wieder etwas austoben und nach schönen, teilweise auch günstigen Artworks suchen, ohne mich an ein starres Set-Ziel zu binden.
Trotzdem, wenn ich mich so durch die Karten klicke, die ich vor ein bis zwei Jahren für 10 bis 30 € gekauft habe und die inzwischen alle drei- bis viermal so viel wert sind, frage ich mich langsam, wo die Reise noch hingehen soll. Selbst ganz normale Holos aus der Neo-Reihe, zum Beispiel das Lugia, sind von 40 € in Good- bis Excellent-Zustand auf 200 € für Excellent gestiegen. Ein anderes Beispiel, das ich gerade erst wieder in meinen eigenen eBay-Käufen von 2021 gesehen habe: Damals 120 Dollar für ein japanisches Blaines Charizard in PSA. Der Population Report zeigt fast 3.300 Karten im 8er Grade und noch einmal 6.800 in besseren Grades – über 10.000 gegradete Karten in 8 oder besser, und selbst bei dieser Menge liegt der Preis heute bei über 300 €. Von den ganz neuen Karten fange ich gar nicht erst an: Massenware, bei der die Preise trotzdem völlig unverhältnismäßig mitgenommen werden, getragen von Hype statt von echter Seltenheit.
Ich glaube ehrlich, die Blase kann eigentlich nur platzen, sobald das 30-jährige Jubiläum vorbei ist. Ein bisschen hoffe ich das sogar innerlich, damit man dieses Hobby irgendwann wieder ohne den ständigen Druck von außen leben kann.
Das ist meine persönliche Einschätzung, keine Anlageberatung und keine Prognose. Preise und Population-Zahlen Stand 21.10.2026.